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Sonntag, 15. Juli 2012

Bryce Canyon


Heute morgen mussten wir wieder früh aufstehen (Wecker hat um 6.30h geklingelt) - denn wir wollten heute zeitig zum Bryce Canyon aufbrechen. Es lagen ca. 260 Meilen vor uns - und hier in Salt Lake City hielt uns eigentlich nichts mehr - außer das Dustins "Lieblingskissen" verschwunden war. Verzweifelt haben wir überall gesucht, aber es blieb weg. Die Putzfrau hatte angeblich auch nichts gefunden - es war zum Verzweifeln.
Ein letzter Versuch, an der Rezeption wurde nachgefragt, man (Frau) versprach, sich zu kümmern - und siehe da, nach 10 Minuten brachte uns ein freundlicher Mitarbeiter des Hotels das vermisste Kissen. Woher und wie es gefunden wurde, es hat uns nicht mehr interessiert - Hauptsache, es war da, und Dustin konnte wieder beruhigt abends einschlafen.
So, nun aber nichts wie weg hier - es war 8:50h - unsere Fahrt zum nächsten Ziel ging los.
Nachdem Uwe sich jetzt 2 Tage ausgeruht hatte (auf der Fahrt nach SLC ist er ja nicht gefahren, und die "große Wäsche" war auch nicht so anstrengend), durfte er heute wieder ran.
Er ist dann auch die ganze Zeit gefahren, Dustin auf dem Beifahrersitz und ob Sven davon was mitbekommen hat, wer weiß's - er hat jedenfalls die meiste Zeit geschlafen. Der Abschied von Salt Lake City fiel zumindest nicht all zu schwer!

(hier zu sehen ist übrigens die "Bingham Canyon Open Pit Copper Mine". Die tiefste offene Mine der Welt!)


Warum es hier im Nichts von Utah einen 7-spurigen Highway gibt, verwundert uns in Amerika schon lange nicht mehr, dafür aber der rasante Fahrstil einiger Gesellen, wie beispielsweise des folgenden Herren, der freihändig von links nach rechts zog und so sogar die Ausfahrt nahm.
Während es in SLC nur bewölkt war, wurden die Wolken in Richtung Süden deutlich dichter und vor allem dunkler. So abwechslungsreich die Gegend auch war (Berge wie in den Alpen, kleine Canyons, Sanddünen, Felder etc.), diese Wetterlage beunruhigte uns ein wenig, immerhin sollten wir bereits in knapp 4 Stunden am Bryce Canyon ankommen und Besserung war bei weitem nicht in Sicht! Noch war es jedoch trocken und wir kamen durch ein kleines Gebirge, indem man sich sofort 100 Jahre zurückversetzt fühlte - im positiven Sinne! Es schlängelte sich ein kleiner Fluß durch die Berge, links eine Zugstrecke, rechts fuhren wir, umgeben von malerischen Bergen und kleinen Holzhütten. Man konnte sich mühelos vorstellen, wie hier früher Cowboys durch die Schluchten ritten und die Lokomotive mit rasenden 10 km/h durch die Gegend sauste.

Nachdem wir allerdings wieder auf freiem Felde waren und beobachteten, wie sich ganz Utah zur Kirche zu begeben scheint, ließ auch das Wetter nicht mehr mit sich reden. Es türmte sich regelrecht eine Wand aus Regen vor uns auf, an der es kein Vorbei gab. Besser mitten durch und schnell wieder raus! So dachten wir es uns zumindest. Immerhin konnte man, weit hinten am Horizont, doch noch ein kleines blaues Fleckchen erkennen. Sollte da vielleicht sogar der Canyon liegen?


Einen Weltuntergang würden wir es vielleicht nicht nennen, aber es alleine als "Unwetter" zu bezeichnen trifft es auch nicht so wirklich. Hagelkörner schlugen auf unsere "Mandy" ein und es hörte sich so an, als könnten wir sie direkt beim nächsten Stopp auf den Schrottplatz kutschieren. Gott Sei Dank hörte es sich alles aber deutlich schlimmer an, als es eigentlich war! Wir rasten durch den Sturm und schon bald hatten wir den Regen hinter uns gelassen, auch wenn es so schien, als würde er immer wieder ein Stückchen näher kommen.



Nur noch 20 Meilen bis zum Bryce Canyon! Nun ging es links, nach Osten und wir fuhren parallel zum schlechten Wetter, genau auf den blauen Himmel zu, der uns die ganze Zeit über etwas optimistisch stimmte! Was für ein unglaublicher Anblick! Unsere unzähligen Versuche die Windrichtung zu bestimmen und auszumachen, wo sich das Unwetter wohl nun hinbegeben würde, scheiterten alle kläglich. Wir mussten einfach bloß hoffen und auf unser Glück vertrauen!



Und dann war es schließlich so weit! Die ersten roten Felsen des Bryce-Gebietes erschienen in naher Ferne!
Bevor es also nun weiter ins Innere und somit zum Amphitheater (dazu später mehr) gehen sollte, machten wir einen kleinen Stopp am Red Canyon, wo man die Möglichkeit hat, etwas durch den roten Sand zu stapfen und die Felsen zu erklimmen.
Allein diese kleine, aber feine Gegend beeindruckte uns schon enorm und wir dachten, dass sich unser Trip hierher bereits gelohnt hat. Natürlich konnten wir da noch nicht ahnen, was uns am "richtigen" Teil des Canyons erwarten würde! Außerdem waren wir überglücklich, dass uns unser Glück treu geblieben ist und uns schönes Wetter bescherte!




Fährt man weiter ins Innere des Nationalparks, so wird man durch 2 (wenn auch künstliche) Torbögen geführt. Ein wirklich schöne Fahrt und die Vorfreude auf die eigentliche Landschaft stieg von Minute zu Minute!

Etwa 10 Minuten später kamen wir dann auch am "Best Western Ruby's Inn" an, das für die heutige Nacht unser Zuhause sein sollte. Eine wirklich große Anlage im Vergleich zu den Motels, in denen wir es uns die vorherigen Tage eingerichtet haben. Eine riesige Empfangshalle, ein noch größerer Shop mit allem möglichen KrimsKrams, einem Pool im Hotel inkl. Whirlpool, ein Restaurant und ein Hauptgebäude mit Zimmern und 7 Wohnkomplexen mit wirklich geräumigen Zimmern! Nur die Internetverbindung ist absolut schrecklich, aber das sind wohl "1.-Welt-Probleme"!

Gegenüber des Hotels befindet sich eigentlich das komplette "Dorf", mit allen anderen Hotels und "Old Bryce Town", welches wir bisher nicht besichtigt haben, da unser Zeitplan recht strikt ist und es sich hierbei nur um kleine Geschäfte handelt. Uwe war kurz da und hat es "als nicht lohnenswert" bewertet.

Also schleuderten wir nur schnell unser Gepäck ins Zimmer und stiegen wieder in unseren Corolla ein, um zum Eingang des eigentlichen Parkes zu gelangen! Hier holten wir uns unseren Annual Pass für alle National Parks der USA zu einem Preis von 80$ pro Auto. Also wirklich nicht teuer, wenn man sich weitere Parks als Ziele gesetzt hat und sich die Kosten untereinander aufteilt! Eigentlich war uns das Wetter sogar von Vorteil gewesen, da hier einige Tage zuvor noch Waldbrände die komplette Gegend lahmgelegt hatten. Auch auf dem Weg von SLC nach Bryce Canyon konnten wir immer wieder Berge sehen, dessen Fauna komplett zu Asche verarbeitet war.


Die Einfahrt zum ersten Vista Point, dem Sunrise Point, haben wir wieder verschlafen, also gings zum Sunset-Aussichtspunkt! Hier bekommt man sofort einen unglaublichen Anblick geliefert. Da wir den Canyon nur von einigen wenigen Bildern kannten, war uns die riesige Weitläufigkeit des Gebietes und die Größe der Hoodoos (so werden die stalagmitartigen Felsformationen genannt) nicht ansatzweise bewusst! Es kam einem so vor, als könnte man bis nach Deutschland schauen und generell sah die Landschaft aus, wie gemalt. Dieser Teil des Canyons heißt daher Amphitheater, da er die Form einer Tribüne hat und man wie ein Zuschauer die "Bühne" entlanglaufen kann. Da wir erst etwa 2 Uhr hatten, wussten wir nicht genau ob wir bereits in die Schluchten hinabsteigen, oder erst alle anderen Aussichtspunkte abklappern sollten. Auf Uwes Kommentar hin, dass er "noch fit sei" und "wir da jetzt runtergehen", zögerten wir also nicht lange und folgten dem sandigen Weg in die Tiefen des Canyons. Man befindet sich hier übrigens auf knapp 2300 Metern! Eine Tatsache, die wir (oder besser Uwe) vielleicht vorher hätten berücksichtigten sollen.

Der "Navajo-Loop-Trail" ist etwa 1,3 Meilen lang und führt über unzählige Serpentinen direkt ins Innere der roten Felsen. Hier waren wir zwar nicht die einzigen Besucher, aber irgendwie macht es ja keinen Sinn sich über die vielen Touristen zu beschweren, immerhin gehört man ja selbst dazu! Mit strammen Schritt liefen wir sicher und zielgesteuert die Wege hinab, sodass selbst ein Reinhold Messner neben uns ausgehen hätte, wie ein blutiger Amateur! Über die ganzen schnaufenden Gesichter, die uns entegen kamen, um wieder hinauf zum "Rim" der Schlucht zu gelangen, konnten wir nur schmunzeln! Immer tiefer ging es hinein und man war inzwischen vollkommen von den riesigen Steintürmen und Felswänden umgeben. Ab und zu wuchsen hier sogar Bäume, die sich die nötige Sonne mitten in den Schluchten suchten und das ein oder andere Feldhörnchen lief uns über den Weg. Unten angekommen wurde man dann mit einem einzigartigen Blick aus dem Kern des Canyons belohnt.







Der Weg zurück gestaltete sich allerdings doch etwas schwieriger als gedacht. Der Weg, welcher gerade noch so angenehm erschien, machte unseren Waden nun doch etwas zu schaffen. Gerade der "old man" hatte allerdings Probleme mit seiner, nicht mehr ganz so jungen, Pumpe. Die 2300 Höhenmeter sind halt doch nicht zu unterschätzen und somit mussten manche der Wendepunkte als kleine Rastplätze herhalten. Mit der Zeit gewöhnte man sich aber an die Steigung und man wurde erneut in den Bann der Umgebung gezogen! Dazu kommt noch, dass 66,6% unserer Dreiertruppe mal dringend ein WC benötigten, wodurch der Ansporn zurück nach oben zu gelangen kaum noch gebremst werden konnte!

Der Besuch der Canyontrails hat einen weiteren Vorteil! Nach nur 1-stündigen Wandergang hat man bereits das Gefühl fließend japanisch zu sprechen und kann sich somit eine teure Sprachreise nach Fernost getrost sparen!


Nachdem wir oben angekommen waren und die Restrooms (WC) besucht hatten, stiegen wir ins Auto und fuhren zum 2. Stopp, dem Inspiration Point! Diesen kann man auch zu Fuß erreichen, da man die gesamte Oberkante der Schlucht entlanglaufen kann.



Auf dem Weg zum Bryce Point, der einen noch besseren Ausblick bieten soll, bekamen wir Gesellschaft von einem Einheimischen, der gerade ungestört die Straße überquerte! Freilebende Tiere sieht man hier alle Nase lang, aber dennoch ist es immer wieder faszinierend, sie in ihrem (außer vom Massentourismus) ungestörten Lebensraum anzutreffen. Massentourismus ist vielleicht etwas übertrieben, denn je weiter man in den Park hineinfährt, desto weniger Menschen trifft man!



Der Bryce-Point liefert nicht nur einen Überblick über die gesamte Hoodoo-Ansammlung, sondern auch über eine Ansammlung von Höhlen, die sich "The Grottos" nennen. Auch wenn diese auf dem Bild etwas kleiner aussehen, so sind sie mehrere Meter hoch. Wenn man sich das Foto in Originalgröße anschaut, sieht man Menschen oben entlanglaufen und kann diese als Maßstab nehmen!



Weiter ging es zur "Natural Bridge". 9 Meilen muss man bis dahin ins Innere fahren, es ist faszinierend wie groß das Gelände des Parks ist. Überall um einen herum gibt es Wälder und Canyons, so weit das Auge reicht. Und eben auch die bereits erwähnten Wildtiere, die dieses Mal etwas vorsichtiger waren! Ganz brav standen sie da am Straßenrand und warteten, bis unser Auto zum Stehen kam, bevor sie schnell auf die andere Straßenseite sprinteten!
Sehr vorbildlich! Da sollten sich einige Leute mal eine Scheibe von abschneiden!


Normalerweise ist es doch so, dass man etwas auf Bildern sieht, sich alles in Gedanken ausmalt und oftmals enttäuscht ist, wenn es in Wirklichkeit doch viel kleiner und unspektakulärer ist als man es gedacht hätte! So war es bei uns im Bryce Canyon gar nicht! Und das trifft auch für diese Steinbrücke (Bild hier drunter) zu! Klein war sie nicht und unspektakulär erst recht nicht! Doch da sich langsam der Hunger in unserem Mägen ausbreitete, machten wir uns schnell weiter auf den Weg zu den beiden letzten Punkten!

Nochmals 6 Meilen nach Süden standen wir nun auf dem höchsten Plateau des Nationalparks. Fast 2800 Meter über dem Meerespiegel konnten wir nun wirklich ALLES sehen! Ein krönender Abschluss dieses Tages und eine weitere Erfahrung, die wir so schnell nicht vergessen werden. Jetzt ging es aber schnell zurück zum Hotel um dort das "günstige" (18,99$) Buffet auszunutzen und noch etwas Football zu spielen, um die angefutterten Pfunde auf schnellstem Wege wieder abzutrainieren! Morgen werden wir dann hoffentlich, insofern es das Wetter zulässt, einen weiteren Trail erkunden, bevor wir weiter fahren um den Zion Park unsicher zu machen!


Also bis morgen!



1 Kommentar:

  1. Diese Fotos sind einfach unglaublich und Respekt vor eurer Leistung!!! Aber dieser Ausblick ist allemal die Mühe wert;-)

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